18. März 2020

Alles, was man über das Coronavirus wissen muss

Ende Dezember 2019 wurde in Wuhan, China, eine Häufung von Lungenentzündungen unbekannter Ursache gemeldet. Wenige Tage später wurde der Erreger dieser mysteriösen Lungenentzündung identifiziert: ein neuartiges Corona-Virus, genannt SARS-CoV-2. Die vom Virus verursachte Krankheit wurde von der Weltgesundheitsorganisation als Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19) bezeichnet. In den vergangenen zwei Monaten ist die Zahl der COVID-19-Fälle um das 350-fache gestiegen (22.01.2020 520 Fälle, 17.03.2020 182.473 Fälle https://www.worldometers.info/coronavirus/#countries). Inzwischen gibt es mehr als 182.700 Fälle in 162 Ländern. 7.174 Menschen haben ihr Leben verloren, 6163 befinden sich in sehr kritischem Zustand. Die restlichen Fälle (über 90%) sind entweder nur leicht erkrankt oder konnten sich zur Gänze erholen. 

Aufgrund dieser Zahlen hat die WHO COVID-19 zu einer Pandemie erklärt. Eine Pandemie ist eine sich grenzüberschreitend schnell verbreitende Krankheit. Im Gegensatz zur Epidemie bleibt sie also nicht regional begrenzt. Es ist die erste Pandemie, die durch ein Coronavirus ausgelöst wurde. 

Wer und was ist Corona?

Viren im Allgemeinen sind infektiöse Partikel, die sich außerhalb von Zellen verbreiten, aber nur innerhalb von Zellen vermehren können. Sie haben keinen eigenen Stoffwechsel und sind deshalb auf den Stoffwechsel des „Wirtes“, den sie infizieren, angewiesen. Bestehend aus Proteinhülle und Erbgut – entweder DNA oder RNA (Kopien von Abschnitten der DNA) – dringen sie in Menschen, Tiere, Pilze und Bakterien ein. Sie docken an deren Zellen an, dringen ein und verwenden die dort ablaufenden Stoffwechselvorgänge zur eigenen Vermehrung. Wenn ausreichend Kopien der Viren erstellt wurden, werden diese zur Verbreitung wieder aus der Zelle ausgeschleust – meist wird die befallene Zelle dadurch zerstört. Diese Vorgänge erfordern Zeit – und erklären den Begriff „Inkubationszeit“. Bis Viren sich so stark vermehrt haben, dass eine Krankheit zum Ausbruch kommt, vergehen je nach Virus Tage bis Monate.

Der Erreger, der COVID-19 verursacht, ist ein neuartiges Coronavirus, das Ende Januar 2020 erstmals identifiziert wurde. Insgesamt sind (mit Stand Februar 2020) sieben Coronaviren bekannt, die beim Menschen leichte Erkältungskrankheiten bis hin zu schweren akuten Atemwegserkrankungen verursachen können. Um die Namensverwirrung aus dem Weg zu räumen, wurde das neue Coronavirus nach dem bereits bekannten Coronavirus SARS-CoV benannt und erhielt zur Unterscheidung den Namen SARS-CoV-2 oder auch 2019-nCoV. 

Coronaviren besitzen eine charakteristische Virushülle, die im Querschnitt einem Kranz oder einer Krone ähnelt. Mit den keulenförmigen „Spikes“ an der Oberfläche docken diese Viren an Zellen an und lösen damit die Verschmelzung mit den Zellen aus. Strukturelle Analysen zeigten, dass die Spikes von SARS-CoV-2 etwa 10- bis 20-fach stärker an Zellen binden als Spikes anderer Coronaviren. Dies erklärt die schnelle Ansteckung und weltweit wellenhafte Verbreitung.

Wie wird Corona übertragen?

Der Hauptübertragungsweg von COVID-19 ist der Nahkontakt von Mensch zu Mensch (Face-to-face) über Tröpfchen- und Schmierinfektion. Krankheitserreger, die im Rachenraum und Atmungstrakt angesiedelt sind, gelangen beim Niesen, Husten und Sprechen durch winzige Speichel-Tröpfchen an die Luft, werden anschließend von anderen Menschen eingeatmet oder bleiben an Gegenständen oder Flächen haften. Über Hände können sie in den Körper gelangen, wenn Schleimhäute von Mund, Nase und Augen berührt werden. SARS-CoV-2 konnte in Speichel, Nasensekret und Tränenflüssigkeit, jedoch nicht in Urin nachgewiesen werden. Forscher der US-National Institutes of Health haben untersucht, wie lange SARS-CoV-2 in der Luft sowie auf Oberflächen nachweisbar bleiben. Sowohl in der Luft als auch auf Oberflächen waren die Viren bis zum Ende des Experiments (nach 180 Minuten) stets nachweisbar. In der Luft sank die Konzentration von SARS-CoV-2 nach 2,74 Stunden auf die Häfte ab – es ist also anzunehmen, dass selbst nach 24h noch Spuren des Virus in der Luft eines geschlossenen Raumes vorhanden bleiben. Mit absinkender Virenkonzentration sinkt jedoch auch die Ansteckungsgefahr. 

Wie kann eine Übertragung verhindert werden? 

Die World Health Organization empfiehlt folgenden Maßnahmen: 

  • Häufiges Händewaschen
    Häufiges und gründliches Händewaschen mit Seife und Wasser für mindestens 20 Sekunden lässt die Keimzahl an den Händen auf ein Tausendstel und weniger senken. Um jedoch den Säureschutzmantel und natürliche Hautfette möglichst zu schonen und Hautirritationen zu minimieren, sollte auf milde, pH-neutrale Seifen zurückgegriffen werden. Im Umfeld von Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko (Risikogruppen) ist eine zusätzliche Händedesinfektion mit alkoholischem Desinfektionsmittel sinnvoll. 
  • Abstand halten
    Um eine Tröpfcheninfektion zu vermeiden, sollte ein Mindestabstand von 1 m strikt eingehalten werden. Öffentliche Verkehrsmittel, Restaurants und enge Räumlichkeiten mit unvermeidlich nahem Kontakt zu Fremden sollte derzeit so gut es geht vermieden werden. Von Infizierten ausgestoßene Viruspartikel können stundenlang in der Luft schweben, sich auf Oberflächen festsetzen und so unbemerkt auf andere übertragen werden. 
  • Keine Berührung von Augen, Nase und Mund mit ungewaschenen Händen
  • Kein Händeschütteln, Umarmen und Küssenvon Personen aus anderen Haushalten
  • Mit Bedacht Niesen, Schnäuzen und Husten
    Niesen und Husten in die Handinnenflächen ist strikt zu vermeiden. Stattdessen sollte in die Ellenbeuge geniest und gehustet werden; nach jedem Schnäuzen das Taschentuch verwerfen und die Hände waschen. 
  • Mit milden Symptomen wie Kopfschmerzen, laufende Nase und Müdigkeit: zuhause bleiben und auskurieren!
  • Bei trockenem Husten, plötzlichem Fieber und Atemnot (vor allem bei Vorerkrankungen oder über 60 Jahre): Arzt anrufen und sofort um Hilfe bitten!

Wofür all diese Sicherheitsmaßnahmen?

Bisher waren die meisten Corona-Patienten zwischen 20-79 Jahre alt. Bei Kindern unter 15 Jahren gab es nur wenige Fälle – die Ursache hierfür ist bisher unklar. Mehr als die Hälfte der Corona-Infizierten sind männlich. 94% der Infizierten zeigen milde, grippeähnliche Krankheitssymptome, bei 6% ist der Zustand jedoch so kritisch, dass unter Intensivtherapie um das Überleben gekämpft werden muss. Aufgrund schwerer Atemnot, abfallender Sauerstoffsättigung, großflächigen Lungenbefalls oder Multiorganversagen werden künstliche Beatmungsmethoden und Intensivtherapie unumgänglich. Über 50% aller Fälle zeigten im Laufe der Erkrankung einen Immunzellmangel – eine sogenannte Leukopenie. Die bei schweren Verläufen am schlimmsten betroffenen Organe sind Lunge, Herz, Leber und Niere. Besonders Menschen über 60 Jahre sowie bereits vorerkrankte Menschen mit Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Atemwegserkrankungen und Immunschwäche sind dem Risiko eines schweren Verlaufes ausgesetzt. Die Sterberate unter den schweren Verläufen beträgt 6-11% – Todesursachen sind Atemversagen, akutes Herzversagen oder septischer Schock. 

Woran erkennt man eine Infektion mit SARS-CoV-2? 

Das Spektrum an Symptomen von COVID-19 reicht von einer „stillen“ asymptomatischen Infektion bis hin zu schwerem Atemversagen und Tod. Zu den Hauptsymptomen aus bisherigen Fallberichten gehören Fieber, trockener Husten, Atemnot, Glieder- und Muskelschmerzen; seltener waren Kopfschmerzen, Durchfall und Brustschmerzen. Die mittlere Inkubationszeit (Zeitraum zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit) beträgt im Mittel etwa 5 Tage, wobei die Spanne von 1-14 Tagen reicht. 95% der Patienten zeigen innerhalb von 12,5 Tagen nach Kontakt mit Infizierten Symptome. Diese Daten rechtfertigen die 14-tägige Quarantäne für exponierte und enge Kontaktpersonen. 

Wie wird behandelt?

Bis zur Bestätigung der Diagnose werden SARS-CoV-2-Infizierte in Einzelzimmern behandelt oder in Heimquarantäne geschickt, wenn sie keine ärztliche Behandlung benötigen. Da SARS-CoV-2 ein neues Virus ist, gibt es bisher keine wirksame antivirale Behandlung. Ob milde oder schwere Verläufe – die Hauptbehandlung von COVID-19 ist die symptomorientierte Behandlung und die Hoffnung, der Körper werde in dieser Zeit selbst mit dem Virus fertig.

Quellen:

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Coronaviridae

(2 ) https://de.wikipedia.org/wiki/Viren

(3) https://www.worldometers.info/coronavirus/#countries

(4)https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Fallzahlen.html

(5) He F, Deng Y, Li W. Coronavirus Disease 2019 (COVID-19): What we know? J Med. Virol.2020 Mar 14. https://doi.org/10.1002/jmv.25766

(6)https://www.bundesaerztekammer.de/aerzte/versorgung/notfallmedizin/influenza-pandemie/

(7) Cascella M, Rajnik M, Cuomo A, et al. Features, Evaluation and Treatment Coronavirus (COVID-19) [Updated 2020 Mar 8]. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2020 Jan-. Available from: https://www-ncbi-nlm-nih-gov.emedien.ub.uni-muenchen.de/books/NBK554776/

(8)https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Fallzahlen.html

(9)https://www.who.int/docs/default-source/coronaviruse/situation-reports/20200316-sitrep-56-covid-19.pdf?sfvrsn=9fda7db2_6

(10)https://www.who.int/emergencies/diseases/novel-coronavirus-2019/advice-for-public

(11)https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/111039/SARS-CoV-2-Wie-lange-das-Virus-in-der-Luft-und-auf-Oberflaechen-nachweisbar-bleibt

(12)https://www.infektionsschutz.de/haendewaschen/

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